Ceylon Tee

Bei einer Sri Lanka-Rundreise gehört ein Besuch des Teeanbaugebiete (Celyon) dazu. Wenn man von der Küste ins Hochland von Sri Lanka fährt, wird die Landschaft immer hügeliger bis die ersten Teeplantagen auftauchen. Im Hochland gedeihen die Teepflanzen am besten. Dicht an dicht stehen die Sträucher, die wie zu gross geratene Bonsai-Bäumchen wirken.

Teepflückerinnen in bunten Kleidern stehen zwischen den Sträuchern.

Um ihre Hüften haben sie Plastikplanen gebunden, die sie vor den harten Zweigen schützen. Die Körbe und Säcke auf ihrem Rücken haben sie mit einem Band am Kopf befestigt. Der Stock dient als Kontrolle, ob sie die Sträucher gleichmässig abgezupft haben – immer zwei Blättchen und die Blüte.

Sir Lanka, die bis 1972 Ceylon hiess, gehört zu den grössten Teeexporteuren der Welt.

Ursprünglich war der Tee nur ein Ersatz für die Kaffeepflanzen, die von einer Seuche dahingerafft wurde. Heute schimmern die Teeblätter auf einer Fläche von knapp 200’000 Hektar, rund 300 Millionen Kilogramm werden jährlich von den sogenannten Hochlandtamilen geerntet, deren Vorfahren aus Indien als billige Arbeitskräfte auf die Plantagen ins Hochland gebracht wurden.

In der Teefabrik stehen die Frauen mit ihren gefüllten Körben und Säcken jeden Abend an der Waage Schlange. Über ihren Saris tragen sie unförmige Strickjacken. Die Nächte im Hochland können sehr kalt sein. In der Hand halten sie ein Büchlein, in das eingetragen wird, wie viel sie gepflückt haben. „20 Kilogramm müssen es mindestens sein pro Tag „, erzählt unser Reiseführer. „Einige feuchten die Teeblätter an, damit sie schwerer sind.“

Nach dem Wiegen stopfen die Arbeiter der Teefabrik die grünen Blätter in Säcke und tragen sie zu riesigen Trögen.

Hier trocknet der Tee auf Gitterböden.  Von unten strömt trockene, warme Luft durch die Böden, so dass die Blätter schneller trocknen.

Bis sie in uralten Maschinen weiter verarbeitet werden.

Typische Produktionsschritte sind beispielsweise das Rollen der Blätter, damit wird die Fermentation angestossen. Erst durch diese Fermentationsprozesse wird der Tee später dunkel und zu dem Produkt, das rund um den Globus gern getrunken wird.

Natürlich lernt man bei solch einer Besichtigung auch viel Fachjargon. Hinter der Abkürzung FBOP verbirgt sich beispielsweise „Flowery Broken Orange Pekoe“, was den Grad des Tees und die Blättergrösse bezeichnet. Die Einheimischen selbst trinken den einfachen „Dust“ (also keinen ganzen Blatt-Tee oder kleinblättrigen Tee, sondern nur noch den Teestaub, den man für Aufgussbeutel gebrauchen kann). Dieser wird mit Unmengen von Zucker und einigen Ingwerstückchen zubereitet.

Nach dem Trocknen, Fermentieren, Schneiden und Verpacken kann man sich in den Shops eindecken mit einheimischem Tee. Einige Mitbringsel nahmen wir mit für die Daheimgebliebenen.

Und noch eine Anekdote: Die „Silver Tips“, die Knospen für den Weissen Tee, dürften nur von Männern abgeknipst werden, erklärte unser Reiseleiter. Meine Frage, ob sie mehr Fingerspitzengefühl als Frauen haben, beantwortet er nur mit einem Lächeln. 100 g des raren „Silver Tip White Tea“ kosten bei uns bis zu 60 Franken. Eine 100 g-Packung normaler Schwarzer Tee ist für 5 Franken zu haben. Zum Vergleich: Die Teepflückerinnen erhalten pro Kilo 20 Rupien, das sind 10 Rappen.

Und noch etwas haben wir gelernt für die Zubereitung eines feinen Tees. Für eine gute Dosierung nimmt man: one for the pot one for the cup.

12 Gedanken zu „Ceylon Tee“

  1. ein sehr interssanter Bericht
    und tolle Bilder
    ja.. wie in vielen Ländern schuften die Frauen um ihre Familien durch zu bringen
    und bekommen doch nur einen Hungerlohn
    liebe Grüße
    Rosi

  2. Wirklich sehr interessant und war auch bestimmt beeindruckend sowas mal real vor Ort sehen zu können. Danke dir dass du uns so klasse beschrieben sowie bebildert mitgenommen hast.

    Liebe Grüsse

    N☼va

  3. Das ist ein interessanter Beitrag und ich bin froh, das ich so eine anstrengende Arbeit nicht verrichten muss! Wieso darf dieser besondere weiße Tee nur von Männern geerntet werden und warum erzählt der Reiseleiter das, wenn er die Frage doch nicht beantworten will?
    LG Heidi

  4. …sehr interessant, liebe Pia,
    die Arbeitsschritte mal so gezeigt zu bekommen…so viel ist notwendig, um einen leckeren Tee trinken zu können…darüber macht man sich normal ja keine Gedanken,

    liebe Grüße Birgitt

  5. Das war ein sehr interessanter Beitrag. Hier sieht man wieder, das Frauen überall nicht gleich behandelt werden. Männer bekommen soviel mehr Geld und die Frauen dürfen schuften. Aber gut das es sie gibt, sonst könnten wir nicht den leckeren Tee schlürfen.

    Eine schöne Adventszeit wünscht dir
    Paula

  6. sehr interessant zu erfahren, wie mein tee wächst, gepflückt und weiterverarbeitet wird. ich werde in zukunft bei der teezubereitung sicher öfter an die frauen mit ihren dicken strickjacken denken!
    danke für den spannenden bericht!
    liebe grüße
    mano

  7. Hallo Pia, dein Bericht über den Tee ist sehr interessant. Auch die Hibiskusblüten im Beitrag darunter habe ich bewundert. Dein Header kann so richtig neidisch machen 😉 Musste aber über die Schneeflocken grinsen, die über dem Maledivenstrand schweben.
    Lieben Gruß – Elke

  8. Liebe Pia,
    jaa, die Kunst der Teezubereitung ist eine Sache, die nicht Jeder kann
    bei Kennern findet man keine Teebeutel.

    Ich bin auch kein Kenner trinke aber auch kaum Tee, höchstens, wenn ich mal krank bin. Aber in Kaffee kenne ich mich ein wenig aus.

    Interessannt deine Bilder, ja das sind sie.

    Herzlichen Dank.

    Lieben Gruß Eva

  9. Das ist ja wirklich sehr interessant. Wenn man mal sieht, wie viel Arbeit in solch einem Produkt steckt, weiß man es besonders zu schätzen. Schön, dass wir an Deinen Erlebnissen teilhaben können.
    LG
    Magdalena

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